Internationales Donaujugendcamp 2014 „Europa sind wir“

im Rahmen des Internationalen Donaufestes in Ulm/Neu-Ulm, 3. – 10. Juli 2014

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Einführung

Der Donauraum als großes europäisches Entwicklungs- und Experimentierfeld der Zukunft ist Symbol für Völkerverständigung und politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit in Europa. Seit 1989 erfolgten zahlreiche Initiativen, um die Menschen und Völker entlang des Flusses für die Idee einer europäischen Partnerschaft zu gewinnen. Europa ist die große Herausforderung der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Ost und West werden zusammen wachsen, auf wirtschaftlichem Gebiet sicher schneller als auf dem gesellschaftlichen. Aber noch immer – auch im Zuge eines sich wandelnden Europas, dessen Konfliktlinien inzwischen genauso in Nord-Süd-Richtung verlaufen – behindern Denkschablonen, Vorurteile und Nichtwissen ein gemeinsames europäisches kulturelles Selbstverständnis. Damit ist nicht gemeint, dass die europäische Kultur im Großen und Ganzen einheitlich ist, ─ eine erschreckende Vorstellung angesichts der wachsenden Globalisierung, die kaum noch Unterschiede erkennen lässt. Nein, das bedeutet vor allem, dass das Besondere der europäischen Kultur ihre Vielfalt ist.

Die europäische Donaustrategie sieht neben wirtschaftlicher und struktureller Vernetzung vor, den Wohlstand der Menschen im Donauraum positiv zu beeinflussen und ein friedliches und menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Dass kann man am grünen Tisch beschließen, aber wenn es nicht gelingt, die Menschen zusammenzuführen, ist auch die Strategie zum Scheitern verurteilt. Erst die persönliche Begegnung und der konkrete Austausch zwischen den Menschen der Donauländer, machen politische Entscheidungen daseinsfähig.

Bis heute herrscht ein gravierender Mangel an Kenntnissen über den Donauraum und die Donauländer. Diese Lücke zu schließen, ist eine der Aufgaben der Jugendarbeit entlang der Donau. Daher wurden und werden auf der Grundlage der interkulturellen Vielfalt und des kulturellen Erbes als wesentliche Elemente des Donauraumes grenzüberschreitende Projekte durchgeführt, die konkrete Konzepte verfolgen. Diese basieren auf edukativen Angeboten, die sich thematisch an der Kultur und Geschichte des Donauraumes orientieren und auf konkreten Partnerschafts- und Kooperationsprojekten, die aktuellen Ereignissen Rechnung tragen.

Nach den erfolgreichen Jugendcamps 2008, 2010 und 2012 fand im Rahmen des Internationalen Donaufestes 2014 in Ulm und Neu-Ulm ein weiteres Jugendcamp statt. Dazu wurden aus den Donauländern junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 22 eingeladen. Ziel des Jugendcamps war es u. a., dass die Jugendlichen die Möglichkeit erhielten, miteinander in den Dialog zu treten, sich über den Nachbarn zu informieren und gemeinsame Aufgaben in der Zukunft wahrzunehmen. Die gemeinsame Vergangenheit sollte Anlass sein, ein gemeinsames, ein friedliches Europa zu errichten, in dem jeder seinen Platz hat.

Programm und Organisation

Die gemeinsame Vergangenheit der Donauvölker ist nicht nur Anlass für die EU-Donaustrategie, sie ist auch Ausgangspunkt für die gemeinsame Gestaltung der europäischen Zukunft. Die EU-Strategie für den Donauraum und seine 115 Millionen Einwohner bietet die einzigartige Gelegenheit, grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern und die nachhaltige wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Zentral- und Osteuropas zu beschleunigen. Die Strategie für den Donauraum zielt auf eine gemeinsame Verbesserung der Mobilität, der Energieversorgung, der Sicherheit, des Umwelt- und Katastrophenschutzes und auf soziale und wirtschaftliche Entwicklung sowie kulturellen Austausch ab.

In diesem Rahmen wollte das geplante Projekt Schülerinnen und Schüler aus allen Donauländern vor allem für die politische Entwicklung Europas begeistern. Die Entwicklung des Donauraumes stand dabei im Vordergrund. Das Jugendcamp 2014 bot 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, davon 106 Jugendlichen aus den Donauländern (Baden-Württemberg, Österreich, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Ukraine) die Möglichkeit, sich zu begegnen, kennenzulernen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken. In verschiedenen Workshops wurde, angeleitet durch professionelle Künstler, Theaterpädagogen und junge Wissenschaftler, Wissen über den Donauraum vermittelt und fand die Sicht auf die Do­nau einen künstlerischen Ausdruck. Damit wurden die Vielfalt der Ideen und die Kreativität der Jugendlichen erlebbar. Die rhythmischen und sprachlichen Besonderheiten der Jugendlichen aus den Donauanrainerstaaten wurden bei der Eröffnung und bei der Abschlussperformance zu einer gemeinsamen Präsentation vereint und auf einer Bühne des Donaufestes präsentiert. Alle Workshops spiegelten die Vielfältigkeit der Donau und der Menschen, die der Fluss berührt, wider.

Ein Novum der Veranstaltung 2014 waren zahlreiche öffentliche Präsentationen, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Jugendcamps einerseits die Ergebnis ihrer Arbeit aus den Workshops präsentierten, andererseits aber vor allem die Möglichkeit hatten, mit Vertretern internationaler Organisationen, Landespolitikern und mit Vertretern von Ministerien und öffentlicher Verwaltung ins Gespräch zu kommen.

Ziele

Mit dem Projekt wurden folgende Ziele erreicht:
– Kenntniserwerb zu den Funktionsmechanismen der Europäischen Union;
– Kenntniserwerb zum Donauraum und zu den Donauländern;
– Förderung des Bürgersinns junger Menschen, insbesondere ihren europäischen Bürgersinn;
– Entwicklung von Solidarität und Toleranz unter jungen Menschen, insbesondere um den sozialen Zusammenhalt der EU zu stärken;
– Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen jungen Menschen aus verschiedenen Ländern und der europäischen Zusammenarbeit im Jugendbereich durch die Erweiterung des sozialen Netzwerkes;
– Förderung interkultureller Kompetenzen

Zielgruppen

Das Jugendcamp 2014 richtete sich an Jugendliche aus den Ländern des Donauraumes (Baden-Württemberg, Österreich, Tschechien, Slowenien, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Bulgarien, Ukraine) im Alter von 16 – 22 Jahren. Adressaten des Donaujugendcamps waren Jugendliche dieser Altersgruppe, da sie in wenigen Jahren jene Menschen sein werden, die die Geschicke des Donauraumes im Wesentlichen bestimmen. Ob Europa in der Makroregion Donauraum gelingen wird, ob es gelingen wird, Wohlstand und sozialen Frieden in Europa aufrechtzuerhalten bzw. zu schaffen, wird vor allem davon abhängen, Jugendlichen aus dieser Region zuverlässige Perspektiven sowohl in beruflicher als auch in sozialer Hinsicht zu bieten. Dazu gehört neben Ausbildungs- und Berufschancen nicht zuletzt zunehmend auch die Vermittlung interkultureller Kompetenzen. Wobei gerade diese Kompetenzen im Donauraum seit Jahrhunderten gelebt und geübt werden.

Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte auf verschiedenen Wegen. Ein Teil der Jugendlichen wurde von jenen Schulen ausgewählt, die am Don@u-online-Projekt 2013/14 teilnahmen. Ein weiterer Teilnehmerkreis kam aus Partnerschulen der Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, mit denen seit mehr als einem Jahrzehnt eine enge Zusammenarbeit besteht. Dazu gehören beispielsweise das Janus-Panonius-Gymnasium in Pécs/Ungarn oder das Diaconovic-Tietz-Lyzeum in Reşiţa/Rumänien. Außerdem konnten sich Jugendliche aber auch über die Facebookseite (https://de-de.facebook.com/europasindwir) bewerben. Alle Jugendlichen wurden aufgefordert eine Art Steckbrief einzureichen, der als Bewerbung zur Teilnahme gewertet wurde. Diese Steckbriefe dienten einerseits dazu, die Auswahl der Bewerber zu erleichtern, andererseits auch dafür, Interessen kennenzulernen und schon vor Beginn des Camps mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten.

Inhalt

Thematisch orientierten sich die Angebote an den vier Säulen der Europäischen Donauraumstrategie: „Anbindung des Donauraums“, „Umweltschutz im Donauraum“, „Aufbau von Wohlstand im Donauraum“ sowie „Stärkung des Donauraums“. Ausgehend von diesen vier Säulen standen folgende Themen im Mittelpunkt der Workshops und Angebote:
– Donauraumstrategie
– Ökologie im Donauraum
– Minderheiten im Donauraum
– Kultur und Geschichte im Donauraum

Neben der Arbeit an einer Eröffnungs- und Abschlussperformance konzentrierten sich die Referenten und Teilnehmer des Jugendcamps 2014 inhaltlich vor allem darauf, verschiedene Vermittlungsbereiche in den Fokus zu rücken. Dazu zählten Vermittlungsangebote zur Kultur und Geschichte der Deutschen in den Donauländern, dazu gehörten aber auch Inhalte zum Veranstaltungsort (Geschichte Baden-Württembergs und Bayerns). Hier ging es vor allem darum, Bildungsangebote für Jugendliche aus dem Donauraum vorzustellen, wie beispielsweise das Baden-Württemberg Stipendium. Neben der Beschäftigung mit der Kultur und Geschichte des Donauraumes wurde auch der Kontakt mit der aktuellen Politik des Donauraumes gewährleistet. Neben Treffen mit Abgeordneten und Politikern der Donauländer während der Begegnungen auf dem Donaufest, war vor allem der Austausch mit dem Minister für Bundesrat, Europa und internationale Angelegenheiten in Baden-Württemberg für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Donaujugendcamps eine wichtige Erfahrung und Bereicherung.

Begegnungen, Exkursionen, Projekte, Workshops

Fast 3.000 km lang ist die Donau, über die 350 Brücken führen. Eine weitere Brücke wollten die Veranstalter und Teilnehmer beim Donaujugendcamp in Ulm und Neu-Ulm bauen. Von den 115 Millionen Bewohnern des Donauraumes waren junge Erwachsene aus den Donauländern dabei, denn es wird gerade diese Generation sein, die in den nächsten Jahrzehnten darüber mitbestimmt, wie der Donauraum aussehen wird. Unter dem künstlerischen Thema „Zurück aus der Zukunft“ reiste das Jugendcamp in das Jahr 2044. Was die Teilnehmer dort erlebten und von dort zurückbrachten, konnten die Besucher der Abschlusspräsentation am Dienstag, dem 8. Juli 2014 um 19 Uhr auf der Bühne des Donaufestes im Edwin-Scharff-Haus erleben. Denn jenseits aller Rhetorik ist Tatendrang gefragt und wer könnte mehr bewegen, als die europäische Jugend, die nicht in Grenzen denkt und nicht an Schranken glaubt.

Eröffnung des Jugendcamps im Haus der Donau, Ulm am 4. Juli 2014, 10.00 Uhr
Offiziell begann die Veranstaltung mit der Begrüßung der Jugendlichen am Freitagmorgen durch Sabine Meigel, Direktorin des Donaubüros und die Geschäftsführer des Donaubüros Ulm/Neu-Ulm Bürgermeister Gunter Czisch und Ralph Seiffert im Haus der Donau. Anschließend zeigten Schülerinnen und Schüler aus Ulmer Gymnasien den Jugendlichen in einer Stadtführung ihre Stadt. Dafür waren sie zuvor durch den künstlerischen Leiter des Jugendcamps, Jörg Zenker, geschult worden.

Eröffnungsveranstaltung des Internationalen Donaufestes im Edwin-Scharff-Haus am 4. Juli 2014, 17.00 Uhr
Das Jugendcamp spielte auch in diesem Jahr bei der Eröffnungsfeier des Internationalen Donaufestes eine wichtige Rolle. Alle Jugendlichen aus den Donauländern waren im Edwin-Scharff-Haus dabei und somit Teil der Veranstaltung. Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel sondern auch ein vielfältiges kulturelles Erbe der Menschheit. Zu den Werten Europas gehören seit jeher die Vielfalt seiner Kulturen und die Fülle seiner Sprachen.
Diese Vielfalt des Donauraumes stand daher im Mittelpunkt, vor allem der sprachliche Reichtum, der von den Jugendlichen künstlerisch gebrochen und visualisiert wurde. Mit einem selbst komponierten Lied „Europa sind wir, Europa seid ihr, Europa 2014“, das gemeinsam gesungen und rhythmisch dargestellt wurde, stellte sich das gesamte Projekt den Gästen des Donaufestes bei der Eröffnungsveranstaltung vor.

„Mit dem Auge der Kamera“ – Fotokurs in Neu-Ulm am 5. Juli 2014, 14.00 Uhr
Nicht die Kamera macht gute Bilder, sondern der Mensch hinter der Kamera. Der Fotoclub-Ulm zeigte den Jugendlichen den Umgang mit einer einfachen Digital- und Spiegelreflexkamera aber auch mit dem Handy. Angeleitet durch die Mitglieder des Fotoclubs Ulm beschäftigten sich die Jugendlichen mit Bildgestaltung im Innen- und Außenbereich. Hier blieb viel Raum für die eigene Kreativität. Das Ziel, den Spaß an der Fotografie zu vermitteln, wurde erreicht, wenn die Ergebnisse des Kurses betrachtet werden.

„Vom Wunder Wasser“ – Besuch der Landeswasserversorgung Wasserwerk Langenau am 7. Juli 2014
Die Donau – der Fluss, der viele Länder Europas vereint. Deshalb sollte die Donau, bzw. das Wasser eine wichtige Rolle während des Camps spielen. Zwischen Langenau und Rammingen liegt am nördlichen Rand des Donauriedes das Wasserwerk der Landeswasserversorgung. Obwohl wir Wasser täglich zum Trinken, Kochen und Waschen brauchen, ist vielen der Lauf des Wassers im Untergrund kaum bekannt. Woher es kommt, wie viel es davon gibt, wo wir es finden, wie wir es nutzbar machen und vor Gefahren schützen können – das und noch vieles mehr erfuhren die Teilnehmer des Jugendcamps beim Besuch des Wasserwerkes Langenau.

„Europa ist mehr als ein Kontinent“ – Don@u-online-Projekt im Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm am 7. Juli 2014, 14.00 – 16.00 Uhr
Im Projekt haben sich Schüler von 30 Schulen im Donauraum im Frühjahr 2014 über Europa und insbesondere über die Wahl zum Europäischen Parlament 2014 informiert und Befragungen zum Thema durchgeführt. Sie haben sich in trinationalen Gruppen ausgetauscht und ihre Ergebnisse im Internet zusammengetragen.
Eine reale Präsentation der Resultate fand im Rahmen des Donaujugendcamps am Montag, dem 7. Juli 2014 in Neu-Ulm in Anwesenheit von Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums für Kultus, Sport und Jugend des Landes Baden-Württemberg und des Europa-Zentrums Baden-Württemberg statt. Neben der Präsentation der Ergebnisse wurden die Jugendlichen außerdem aufgefordert, Europa in einem kurzen Satz zu beschreiben, allerdings ohne die Wörter Europa und europäisch zu verwenden. Das Ergebnis wurde in der Internetgrafik Wordle zusammengefasst und im Anschluss präsentiert.

„Die Donau erfahren“ – Fahrt auf der Donau am 7. Juli 2014, 17.00 Uhr
Zwar ist die Donau nicht Europas längster Strom – das ist die Wolga. Aber der interessanteste und abwechslungsreichste ist sie auf jeden Fall. Flach fließt sie zwischen den Ufern von Ulm und Neu-Ulm dahin und erzählt noch von ihren Ursprüngen, aber auch schon von dem was sie erwartet. Die Jugendlichen erhielten bei Schachtel- und Drachenbootfahrten einen neuen und anderen Eindruck von der Donau. Auf den Spuren der Auswanderer fuhren die Teilnehmer flussabwärts und sammelten Impressionen. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch den Verein Ulmer Kanufahrer e. V.

Abschlusspräsentation im Edwin-Scharff-Haus in Neu-Ulm am 8. Juli 2014, 19.00 Uhr auf der Bühne des Donaufestes
Anlässlich der Abschlusspräsentation waren neben dem Oberbürgermeister der Stadt Ulm, Herrn Ivo Gönner und den beiden Geschäftsführern des Donaubüros Ulm und Neu/Ulms sowie die Direktorin des Donaubüros auch die Staatssekretärin im Kultusministerium Marion von Wartenberg, Frau Stefanie Rolli, zuständig für die Entsendung von Deutschlehrkräften nach Südosteuropa und Frau Silke Frey willkommene Gäste. Nach der Begrüßung durch den Oberbürgermeister Ulms begrüßte die die Staatssekretärin die Jugendlichen und die Lehrer und Lehrerinnen und erläuterte in ihrer Rede den großen Stellenwert, den die Landesregierung diesem Projekt beimisst. Das Projekt ist „von unschätzbarem Wert“, denn „Europabildung beginnt in der eigenen Umgebung und der unmittelbaren Erfahrungswelt“. Im Anschluss an die Begrüßungen zeigten die Jugendlichen ihre Abschlusspräsentation. Mehr als 100 Jugendliche aus zwölf Donauländern und Donauanrainerstaaten haben im Rahmen des Internationalen Donaujugendcamps 2014 in Ulm und Neu-Ulm während des Internationalen Donaufestes in verschiedenen Workshops zusammen gearbeitet.
Das Resultat aus den Workshops: Schauspiel, Tanz, Akrobatik, Musik, Bühnenbild, Journalismus, Politik & Geschichte wurde zu einem großen Bühnenstück vereint. Erzählt wurde die Geschichte eines alleinerziehenden Vaters, der seinen 50. Geburtstag feiert und dessen größter Wunsch es ist, zu wissen, was seine drei Töchter ihm zu seinem 100. Geburtstag schenken würden. Die älteste Tochter will ihm eine Reise zum Mond schenken, die Zweitälteste ausreichende Gesundheit und die Jüngste überreicht ihm ein Glas Donauwasser. Die Folgen der jeweiligen Wünsche zeigen sich schließlich in einem Traum des Vaters, wobei ihm die Geschenke beängstigende aber auch zuversichtliche Einblicke in seine und in die Zukunft der Menschen geben.
Idee und Regie: Lavinia Adamescu, Jens Blockwitz, Marina Colovos, Jeannette Füzesi, Dietmar Herzog, Sarah Hummler, Klara Ladwein, Tabea Stegmiller, Jörg Zenker

„Was Europas Jugend bewegt“ – Treffen mit dem Minister für Europäische Angelegenheiten in Baden-Württemberg, Herrn Peter Friedrich im Stadthaus Ulm am 9. Juli 2014, 10.00 – 12.00 Uhr
Die Donau ist mit 2850 Kilometern ein wahrhaft europäischer Strom – „zu den Bedingungen eines europäischen Flusses aber gehört, dass wir uns kennen“, sagte der frühere österreichische Vizekanzler Erhard Busek (Donaukulturkonferenz Ulm 2013, Südwestpresse, 16.4.2013). Dass mehr als 100 Jugendliche aus dem Donauraum in den Tagen des Jugendcamps die Möglichkeit hatten, einander zu begegnen, sich kennenzulernen und Wissenswertes über die Heimatländer aller Teilnehmenden zu erfahren, spielte anlässlich des Besuches des Europaministers Peter Friedrich beim Internationalen Jugendcamp eine besondere Rolle. Jugendliche und EU-Minister traten am Mittwoch, dem 9. Juli 2014, 10.00 – 12.00 Uhr im Stadthaus in Ulm in den Dialog.
Angenommen wurde die fiktive Situation, Zeitreisenden zu begegnen. Aus der Zukunft kehrten Politiker und Bürger in unsere heutige Welt zurück. Ob der geteilte Donauraum am Fluss zusammengewachsen ist, erzählten die Zeitreisenden. Sie berichteten von ihrem Leben und fragten, wie es wohl zu bestimmten Veränderungen kommen konnte. Herr Minister Friedrich stellte sich den Fragen der Jugendlichen, die in spannenden und kurzweiligen Performances sowohl die Ergebnisse aus dem Workshop Politik und Geschichte, als auch Teile des Don@u-online Projektes präsentierten. Den Abschluss bildete der gemeinsame Auftritt aller Teilnehmer, die Bestandteile aus der Abschlusspräsentation darbrachten.

„Junge Donaubrücken“ – Workshop: Akrobatik auf dem Gelände des Kanuvereins e. V. Neu-Ulm, 5. – 8. Juli 2014
Wie eine Brücke Hindernisse wie Straßen, Täler und Flüsse überwindet, bauten die jungen Erwachsenen des Donauraumes im Jugendcamp Brücken zwischen ihren Völkern und Kulturen. Im Workshop lernten die Teilnehmer gemeinsam neue Bewegungsformen kennen. Sie experimentierten mit Balance, Körperspannung und Standfestigkeit und präsentierten turnerische Elemente und spektakuläre Tricks mit natürlichen Brücken.

„Durch- und Einsichten“ – Workshop: Bühnenbild auf dem Gelände des Kanuvereins e. V. Neu-Ulm, 5. – 8. Juli 2014
Fast durchsichtige Folien beherrschten den Bühnenraum. Wie Zwiebelschalen hintereinander geschichtet, lassen sie immer nur begrenzte Einblicke auf einen Teil der Bühne zu. Auf den Folien sind einzelne Wörter und Satzfragmente entzifferbar. Der Donauraum ist ein historisch geprägter kultureller Kommunikationsraum. Gewachsene regionale Spezifika, die ihren kulturellen Ausdruck in unterschiedlichen, sich voneinander abgrenzenden und wiederum eng miteinander verflochtenen Geschichten, Sprachen, Religionen und Mentalitäten finden, erweisen sich bis in die Gegenwart als besonders wirkungsmächtig. Diese Spezifika wurden im Workshop sichtbar gemacht und in einem gemeinsam erarbeiteten Bühnenbild präsentiert.

„Meinungen“ – Workshop: Journalismus im Pressehaus der Südwestpresse Ulm, 5. – 8. Juli 2014
Als elementare Notwendigkeit menschlicher Existenz und bedeutendes soziales Bindemittel spielte die Kommunikation eine wichtige Rolle im Jugendcamp. Die Teilnehmer des Journalistenworkshops produzierten unter Anleitung von Redakteuren der Südwest Presse jeden Tag eine neue Zeitung. Darin berichteten sie über die täglichen Ereignisse des Jugendcamps, führten Interviews mit den anderen Jugendlichen und Kulturschaffenden aus dem Donauraum und stellten sich und ihre Länder vor. Die Redakteure der Südwest Presse standen den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite und gaben ihnen außerdem Einblicke in die Arbeitswelt eines professionellen Journalisten.

„Klänge der Donau“ – Workshop: Musik auf dem Gelände des Kanuvereins e. V. Neu-Ulm, 5. – 8. Juli 2014
„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ (Victor Hugo) Immer wieder inspirierte die Donau in den letzten Jahrhunderten Komponisten. Auch in den Nationalhymnen zahlreicher Donauländer wird der Fluss erwähnt. Musik als nonverbales Kommunikationsmittel stand im Mittelpunkt der gemeinsamen Arbeit. Mit eigenen Instrumenten und gemeinsamen Liedern gestalteten die Teilnehmer die Klänge der Donau neu. Dabei fand eine spannende Auseinandersetzung zwischen den Rhythmen und Kulturen des Donauraumes statt.

„Rhythmen der Donau“ – Workshop: Tanz auf dem Gelände des Kanuvereins e. V. 5. – 8. Juli 2014
Tanzen gehört zu den faszinierendsten körperlichen Bewegungen. Gleichzeitig ist das Tanzen aber ein wichtiges nonverbales Kommunikationsmittel, das viele Äußerungen menschlicher Kultur in sich trägt. Von der Vergangenheit und Zukunft des Donauraumes inspiriert, setzten die Teilnehmer des Workshops ihre Erfahrungen und Wünsche in Bewegung um. Ziel war die Erarbeitung einer gemeinsamen Choreografie, die die Perspektiven des Donauraumes befragte, Motivationen der Bewegung erweiterte und Bilder von Möglichkeiten schuf.

„Lasst uns gemeinsam Geschichten erzählen“ – Workshop: Schauspiel auf dem Gelände des Kanuvereins e. V. 5. – 8. Juli 2014
Kaum ein Raum in Europa ist so reich an Geschichten wie der Donauraum. Diese Geschichten in Zukunftsvisionen zu verwandeln, war eines der Ziele des Schauspielworkshops. Gemeinsam begaben sich die Teilnehmer auf die Suche nach dem kulturellen Alphabet des Donauraumes, ergründeten Ausdrucksweisen und Perspektive und näherten sich mit theatralen Mitteln dem Thema des Donaujugendcamps. Dabei entstand ein besonderes Schauspiel, das die Zukunft der Menschen am Fluss thematisierte.

„Ein fröhliches Volk hat sie hier nie gesehen“ (Endre Ady: A Duna vállomása (Das Bekenntnis der Donau)) – Workshop: Politik und Geschichte auf dem Gelände des Kanuvereins e. V. 5. – 8. Juli 2014
Die Donau durchmisst eine ausgesprochene Vielvölkerregion, ein ethnisches Fluktuationsgebiet, das seit über 1.000 Jahren von Invasionen, Fremdherrschaft, Kolonisierung, Völkerwanderungen und –verschiebungen betroffen wurde, und die erst im 20. Jahrhundert, nach zwei Weltkriegen und zuletzt noch nach dem jugoslawischen Bürgerkrieg von 1991 bis 1999 die aktuell geltenden Staatsgrenzen gefunden hat. Geschichte und Kultur sind im Donauraum – bei allen vereinheitlichenden Tendenzen – von hoher Unterschiedlichkeit geprägt. Gewachsene regionale Spezifika erweisen sich bis in die Gegenwart als besonders wirkungsmächtig. Kultur und Geschichte stellen Kernelemente für das Zusammenleben, für gemeinsames Wirtschaften und soziales Handeln in dieser Region dar und bilden die Voraussetzung für den „richtigen“ Blick auf Region und Menschen. Im Workshop wurden historische und aktuelle Entwicklungen diskutiert, Kenntnisse zu gegenwärtigen politischen Strategien vermittelt und Zeitzeugen befragt. Zu den Höhepunkten zählten dabei die Begegnung mit der Direktorin des Donaubüros, Frau Sabine Meigel, die aus ihrer Arbeit berichtete und die Diskussion mit dem EU-Minister Peter Friedrich. Inhaltlich beschäftigten sich diese Begegnungen vor allem mit der Europäischen Donauraumstrategie. Eine interessante Begegnung fand auch mit der Multinationalen Kommandogruppe, Operative Führung in Ulm statt. Vertreten durch Kapitänleutnant Alexander Schilling und Jugendoffizier und Kapitänleutnant Maximilian Vogel erfuhren die Jugendlichen Fakten zu den Aufgaben der Multinationalen Kommandogruppe. Das „Ulmer Kommando“ ist eine multinational besetzte Dienststelle der Streitkräftebasis. Das Kommando ist darauf ausgerichtet, im Auftrag der Vereinten Nationen, der NATO oder der EU, jederzeit einsatzbereit und schnell verlegbar, die Führung von weltweiten Krisenmanagementeinsätzen zu übernehmen.

Sprache

Das Donaujugendcamp fördert neben vielen Bereichen auch das Erlernen und Üben der deutschen Sprache. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Jugendcamps, die nicht aus dem deutschsprachigen Raum kommen, besuchen Schulen mit Deutsch als Fremdsprache bzw. Schulen mit deutscher Unterrichtssprache seit der ersten Klasse bzw. seit dem Kindergarten. Angebote für das Erlernen der deutschen Sprache im internationalen Kontext gibt es wenige. Die Mehrzahl der internationalen Jugendbegegnungen in Europa favorisiert die englische Sprache als Projektsprache. Dass sich das Team der Donaujugendcamps vor einigen Jahren entschlossen hat, Deutsch als Projektsprache zu begünstigen hat verschiedene Gründe. Dazu gehört u. a. der Mangel an internationalen Begegnungen, in denen Jugendliche die erlernte Sprache außerhalb der Schule anwenden können, hinzu kommt aber vor allem, das die deutsche Sprache noch immer zu den bevorzugten Fremdsprachen im Donauraum gehört. Dies hat sowohl historische als auch ökonomische Wurzeln. Zahlreiche westeuropäische Firmen, darunter viele mittelständische Firmen aus Baden-Württemberg, sind seit fast zwei Jahrzehnten auf dem Wirtschaftsmarkt in Ostmittel- und Südosteuropa vertreten, diese bevorzugen vielfach Arbeitnehmer mit deutschen Sprachkenntnissen. Außerdem gehört zu den Schwerpunkten der inhaltlichen Vermittlung die Kultur und Geschichte der deutschen Minderheit in Ostmittel- und Südosteuropa. Dabei dient die Sprache als Kulturträger und Vermittler.

Veranstaltungsort

Das Jugendcamp 2014 fand auf dem Gelände des Kanu-Clubs in Neu-Ulm am Donauufer und in der Jugendherberge Ulm statt. So war gewährleistet, dass das Donaujugendcamp nicht nur inhaltlich sondern eine tatsächliche Präsenz als Bestandteil des Internationalen Donaufestes an den Ufern der Donau in Ulm und Neu-Ulm zeigen konnte. Der Austausch mit den Veranstaltungen des Donaufestes und vor allem mit den Besuchern des Donaufestes war so gewährleistet. Zahlreiche Besucher, aber auch offizielle Delegationen, wie beispielsweise der Bundesvorstand der Banater Schwaben oder die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Kulturmanager Seminar der Stadt Ulm, bewiesen großes Interesse an dem Projekt.

Kooperationspartner

Das Jugendcamp war eine Kooperationsveranstaltung mit verschiedenen Partnern der Städte Ulm und Neu-Ulm, des Landes Baden-Württemberg und der Bundesrepublik Deutschland. Inhaltlich, organisatorisch und finanziell wurde das Projekt von den folgenden Institutionen getragen: der Stadt Ulm, der Stadt Neu-Ulm, dem Donaubüro Ulm/Neu-Ulm, dem Stadtjugendring Ulm, der Generationenstiftung der Sparkasse Ulm, der Baden-Württemberg Stiftung, dem Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg, dem Staatsministerium des Landes Baden-Württemberg sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Weitere Kooperationspartner sind Kultur- und Bildungseinrichtungen aus den Donauländern: Deutsches Kulturzentrum Timişoara, Janus Pannonius Gimnázium Pécs/Ungarn, Liceul Teoretic „Diaconovici-Tietz“ Resiţa, Colegiul National „G.h. Lazár“ Sibiu/Rumänien, Liceul Teoretic Nikolaus Lenau, Ungarisches Kulturinstitut Wien, Ungarndeutsches Bildungszentrum Baja/Ungarn, Evanjelicke gymnazium Banska Bystrica/Slowakei, I. Gymnasium Osijek/Kroatien, Gymnasium Orlova, Tschechien, Gymnasium Banja Luca/Bosnien Herzegowina, Philologisches Gymnasium Sremski Karlovci/Serbien.