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MAGYAR



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Einführung

Hl. Stephan und Gisela
Hl. Elisabeth
Helene Kottanerin
Familie Haller
Kaspar Helth
Ferenc Toldy
Andreas Mechwart
Familie Löw
Friedrich Stühmer
Loránd Eötvös
Jakob Bleyer
László Moholy-Nagy
Georg von Hevesy
Tibor Déry
Gyula Trebitsch
Imre Kertész
Tamás Vándor
György Fogarasi
Elisabeth Müller
Joschka Fischer
László Márton
Mihály Berlinger

Geschichte


Wie lebt es sich zwischen zwei Ländern, Kulturen und Sprachen?
Eine einfache Frage - viele komplizierte Antworten! Die Ausstellung, die Ungarn und Deutsche gemeinsam entwickelt haben, zeigt, wie unterschiedlich ein solches Dasein verlaufen kann.

Die Lebenswege von 22 Menschen - vom Hochmittelalter bis zur Gegenwart - veranschaulichen, dass das Wandern zwischen zwei Welten beides bedeutet: Lust und Last. Sie zeigen auch, dass unser Denken in nationalstaatlichen Grenzen historisch noch jung und keineswegs selbstverständlich ist. All diese Lebensgeschichten sind Mosaiksteine in der historischen Entwicklung der deutsch-ungarischen Beziehungen.

Manche Lebensgeschichten handeln von politischen Schachzügen - so im Fall der Heiligen Elisabeth von Thüringen: Schon als Vierjährige wurde die ungarische Königstochter zu ihrem zukünftigen Mann nach Eisenach gebracht.

Die Kammerfrau Helene Kottanerin mischte 1440 tatkräftig mit, als es um die Erbfolge auf dem ungarischen Thron ging. Für den Sohn des verstorbenen Königs stahl sie die streng bewachte Stephanskrone.

Viele Menschen suchten im jeweils anderen Land ihr Glück; der Mecklenburger Friedrich Stühmer fand seines in Budapest. 1868 begann er dort Bonbons herzustellen, 1883 besaß er schon die größte Schokoladenfabrik Ungarns.

Auch Wissenschaftler und Künstler nutzten den Wechsel für ihr Fortkommen. Der große Physiker Loránd Eötvös, nach dem heute die Budapester Universität benannt ist, promovierte 1870 in Heidelberg. László Moholy-Nagy kehrte Ungarn 1920 den Rücken und wurde als Bauhaus-Künstler weltberühmt. In Berlins avantgardistischer Künstlerszene spielte es keine Rolle, aus welchem Land man kam.

Dass sich Identität im Laufe des Lebens weiterentwickelt, zeigt der Namenswechsel des Ungarndeutschen Franz Karl Joseph Schedel. Unter dem Namen Ferenc Toldy wurde er zum großen Förderer der ungarischen Literatur im 19. Jahrhundert.

Viele Lebenswege wurden von den Zwangsmigrationen des 20. Jahrhunderts geprägt. Der spätere Filmproduzent Gyula Trebitsch wurde 1944 in ein KZ deportiert, ebenso der spätere Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész. Beide überlebten; Trebitsch entschied sich für ein Leben in Hamburg, Kertész kehrte nach Budapest zurück. Die ungarndeutsche Bäuerin Elisabeth Müller entkam 1944 nur knapp der Russland-Deportation. Joschka Fischers Eltern wurden 1946 aus ihrem Heimatort bei Budapest vertrieben.